Brüssel
Gestern war mein erster Urlaubstag meines Resturlaubes und das hieß: auf zu einem Tagestrip nach Brüssel. Nachdem ich mich im Vorfeld schon ausgiebig habe verrückt machen lassen informiert hatte, über das schlechte Autofahren der Brüsseler, die Pickpockets und die Gefahr, wenn man denn einen Parkplatz für sein Auto gefunden hat, es am Abend nicht unversehrt wieder zu finden.
Nachdem ich morgen um 5 Uhr wach war und die Nacht wenig und schlecht geschlaffen hatte, einen Freund abholte und wir uns auf den Weg nach Brüssel machten, meldete das Navigationssystem „Sie haben Ihren Bestimmungsort erreicht“ … ahja, wir standen mitten in einer Anwohnerstraße in Kraainem. Kraainem war schon richtig, die Metrostation konnten wir auch sehen, bloß ein P&R-Parkplatz nicht in Sicht. Der einzige Parkplatz war ein kostenpflichtiger 4-Stunden-Maximum-Parkplatz, der mit den unzähligen Autos der Studenten der direkt daneben liegenden Hochschule belegt war – wie auch sämtliche anderen kostenpflichtigen Parkplätz auf Seitenstreifen, etc. in näherer Umgebung. Wir stellten den Wagen dann in einer Seitenstraße ein größeres Stück weiter ab und hofften, hier wirklich unbegrenzt und unentgeltlich stehen zu dürfen.
Anschließend fuhren wir mit der Metro ab Richtung Zentrum, Richtung „Central Station / Gare Central“. Ich hatte im Vorfeld gelesen, dass die Metrostationen richtig sehenswert seien und von zahlreichen Künstlern individuell gestaltet wurden. Individuell – ja, sehenswert – naja. Ein paar Kritzeleien auf den Wänden, mal mehr, aber eher weniger aufwendig, der Rest bestand aus Fliesenteppichen und der Zeit ausgesetztem Beton, es versprühte alles einen Hauch der 70er Jahre. Der Uringeruch in einigen Stationen ließ einen auch eher flüchten als verweilen.
An der „Central Station“ angekommen ging es über Brüsseler Park zum „Paleis van de Koning / Palais du Roi“. Von da an ging es dann weiter durch die Stadt, in Richtung Justizpalast (dessen Kuppelunterbau schön durch Gerüste an der Fassade verziert war), vorbei an „Saint Jacques sur Coudenberg“ und „Notre Dame de la Chapelle“. Währenddessen gefiel mir das Fußgängerdasein in Brüssel immer mehr. Ich hatte im Vorfeld auf einer Homepage zu Brüssel (übrigens auch die Seite, auf der uns der tolle P&R empfohlen wurde) gelesen, dass die Brüsseler gerne über rote Ampeln laufen, erst zögernd, bis einer den ersten Schritt macht und ihm alle folgen. Und genau so war es auch. Erst warten, schauen wann einer losgeht und dann auch ab auf die Straße. Natürlich sind die Leute auch auf die Straße gegangen, wenn wir den ersten Schritt taten. An sowas kann man sich echt gewöhnen, man sollte es jedoch nicht, wenn man anschließend wieder in den deutschen Straßenverkehr muss
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Nachdem wir ein Stück in die falsche Richtung liefen und so auch mal einen Eindruck von heruntergekommen Arbeitervierteln erhielten, versuchten wir, uns Richtung „Grote Markt / Grand Place“ zu orientieren und kamen dann durch Zufall an „Manneken Piss“ vorbei, zu erkennen an überdurchschnittlich viel Japanern davor. Vom großen Platz/Markt ging es dann vorbei an der Börse zur Metro, denn wir wollten das riesige Etwas erkunden, das wir bislang nur als große schemenhafte Silhouette am Horizont wahrgenommen hatten. Mithilfe des Reiseführers und des Stadtplanes stellten wir die Vermutung auf, dass es sich um „Basilique Nationale du Sacré-Cœur“ (oder „Heilig Hart Basiliek“ wie die Flamen sagen) handelt. Aber erstmal mussten wir von der Zielstation durch den gesamten Elisabeth-Park laufen, bis wir ankamen und feststellten, dass „die gar nicht so groß ist, wie sie schien“, aber immer noch nicht zu unterschätzen. Als wir drinnen waren, stellten wir fest, dass sie innen nochmal kleiner wirkte als von außen.
Von dort aus ging es weiter Richtung Norden, zu einer weiteren Attraktion Brüssels, dem Atomium, dem Wahrzeichen der Weltausstellung 1958. Das ist wenigstens mal ein Wahrzeichen, während von der Expo2000 aus Deutschland kaum einer das Wahrzeichen überhaupt kennt. Im Atomium selber waren nicht alle Kugeln durch Rolltreppen zu erreichen, was uns sehr erfreute, da wir so langsam merkten, wie unsere Beine schwerer wurden. Bis auf die Aussichtsplattform und ein kurzes Infovideo gibt es für 9 Euro nicht wirklich was zu sehen. So langsam bekamen wir Hunger und ich Kopfschmerzen, da ich bis zum Nachmittag keinen einzigen Schluck Wasser zu mir genommen hatte. Also ging es wieder ab Richtung Zentrum, in die Food Factory, ein nettes Restaurant mit einer mehrsprachigen Speisekarte sogar auf auf Englisch und Deutsch … zumindest draußen. Innen mussten wir FR/NL und einem Kellner der nur „een beetje“ Englisch konnte vorlieb nehmen. Ansonsten war das Essen lecker und schnell serviert und die Preise nicht zu hoch. Auf die eingeplanten belgischen Waffeln haben wir dann anschließend aber verzichtet, da wir voll waren. Während wir im Restaurant saßen, war der Himmel draußen plötzlich strahlend blau, so wie wir ihn den ganzen Tag gewollt hätten – als wir aus dem Restaurant kamen, war der Himmel schon recht dunkel. Wie die Zeit verging. Beim Postkarten-kaufen viel uns auf „Shit, wir haben noch gar nicht den Triumphbogen gesehen“; da dieser aber in der Nähe des Europaviertels lag, war es also auch kein Problem, ausser der Tatsache, dass wir nicht mehr wirklich laufen wollten

Der Arc du Triomphe macht schon mehr her als das Brandenburger Tor, das erkennt man schon, während man durch den unbeleuchteten „Parque du Cinquantenaire“ (französisch klingt das irgendwie besser als auf niederländisch „Jubelpark“) läuft. Die Autobahnen werden beleuchtet, ein innerstädtischer Park nicht … merkwürdig. Die Gebäude der EU (Berlaymont, Europäischer Rat, Europäisches Parlament) sind alle recht modern und nachts teilweise recht gut von innen beleuchtet. Die Büros leer, die Lichter an. Zusätzlich wird man aus beiden Richtungen vor dem Berlaymont über zwei riesige Monitorwände mit Imagefilmen der EU angeleuchtet. So viel Stromverschwendung, aber dann vor dem Berlaymont eine Art Ausstellung zum Thema Klimaschutz/Energie.
Nachdem wir einiges gesehen hatten freuten wir uns aber auch über die Heimreise; endlich die Beine hochlegen zu können. Mit gedrückten Daumen liefen wir zu dem Parkplatz meines Wagens und er stand noch da, wo er abgestellt wurde. Glück gehabt. Die Restenergie meines Navis (ich hatte mein Ladekabel vergessen) reichte gerade noch, uns bis kurz hinter Antwerpen zu lotsen, ab da war Venlo ausgeschildert, die richtige Route. Zuhause gab’s dann erstmal eine Abkühlung für meine Füße und eine Behandlung der Blasen
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