Der Montag nach der Loveparade
Nachdem ich die Loveparade am Samstag nur im Fernsehen sehen konnte / wollte, bin ich heute morgen auf dem Weg ins Büro durch die Essener Innenstadt gefahren – ich wollte einen Eindruck bekommen, was trotz der inzwischen erfolgten Reinigungsarbeiten noch von dem Event zu sehen ist.
In Höhe der Katzenbruchstraße (also das Nordende der Veranstaltung) war eine Spur noch immer durch die Straßenreinigung gesperrt, die Straßen wirkten ohnehin etwas staubiger als sonst, wahrscheinlich durch das Komplettfegen dieser. In Höhe der Friedrich-Ebert-Straße konnte man gut erkennen, dass Rasenflächen auch nur bedingt belastbar sind und die Farbe größtenteils nicht grün sondern eher braun war (an den Stellen, wo Gras überhaupt noch erkennbar war).
An Ampelanlagen waren bereits letzte Woche Manschetten mit langen abstehenden Metallstangen befestigt, die die Bekloppten Raver vom Hinaufklettern abhalten sollten. Dass dies offenbar nicht funktionierte, kann man in der Fotostrecke auf RP online sehen. Die Manschetten wurden auch offenbar nach oben geschoben, damit man auch viel besser auf den Ampeln stehen konnte. Durch das Drauf-Stehen sind auch einige Verkehrszeichenschilder verbeult und umgenickt oder einfach nur weggereht. Somit entstehen durch die Assis Raver nochmal weitere Mühen und Kosten.
In einem Offenen Brief der Bürgerschaft Essen-Stadtmitte e.V. wird der Oberbürgermeister der Stadt Essen aufgefordert, doch bitte dafür zu sorgen, dass sämtlich Urinspuren u. ä. vom Vereinsgebäude entfernt werden, nachdem man selbst schon Scherben, Fäkalien, benutzte Kondome sowie blutige Tampons der offenbar unzivilisierten Höhlenmenschen Raver aus dem Innenhof entfernt hat. Obwohl ich schon glaube, dass die Entsorgungsbetriebe Essen sich Mühe bei den Aufräumarbeiten gegeben haben, wurden doch laut Pressemitteilung der Stadt Essen sogar Schneepflüge eingesetzt (mussten aufgrund der Müllberge eingesetzt werden?!).
Das Konzept, an der Strecke keine Glasflaschen sowie nur Bier und Alkoholische Mischgetränke bis 5 Promille an der Strecke zu verkaufen war war zwar gut gemeint, ist jedoch Makulatur, wenn von außerhalb Hochprozentiges in Glasflaschen mitgebracht wird. Wie gut das dann aussieht, kann man in Ingo Vogelmanns Blog sehen. Dort kann man zur Verkehrssituation auch lesen:
Noch lächerlicher war die Deutsche Bahn und der Essener Nahverkehr. Da ging GAR NICHTS MEHR, der totale Kollaps.
Dem will ich einfach mal so glauben, denn aus meinem Bekanntenkreis musste ich auch Sätze hören wie „fuhren keine Bahnen mehr“. In der offiziellen Pressemitteilung wird das ganze jedoch so schön geredet:
Das Verkehrskonzept der Essener Verkehrs-AG (EVAG) ist aufgegangen. Alle U-Bahnen waren durchgehend voll besetzt. […] Die EVAG-Leitstelle meldet, dass der überwiegende Teil der Raver mit dem Fernund Nahverkehr angereist sind. Der ÖPNV hatte eine Traumquote.
Insgesamt kann man in Essen bei Sonderveranstaltungen nicht von „Verkehrskonzept“ sprechen, vor allem nicht im Straßenverkehr. Zwar wurden überall in Essen, fast bis vor meine Haustür „Stau“-Schilder aufgestellt, Umleitungsempfehlungen oder ähnliches gab es natürlich keine (wie auch schon nicht beim Ruhrmarathon). Dass man hierdurch Rückstaus effektiver bekämpfen kann ist der Stadt Essen wohl nicht bekannt.
Zusammenfassend steht für mich fest: ich bin froh, das ganze nur aus der Ferne erlebt zu haben (hätte ich auch nicht anders erwartet) und bin auch froh, dass es das letzte Mal in Essen war.
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