12. Mai 2007

Eurovision Song Contest 2007Eurovision Song Contest 2007

Logo Eurovision Song Contest 2007Es geht los mit dem bislang bildgewaltigsten Opening, das ich bislang beim Song Contest gesehen habe… bis ich feststellen musste, dass offenbar lediglich das Musikvideo „Hard Rock Halleluja“ gezeigt wurde, bis es im letzten Drittel in die Halle überblendet wurde, wo Lordi live performt haben.

„Hoffentlich haben Sie sich nicht erschreckt“ leitet Peter Urban ein. Ich dachte er meinte, weil die ARD es wieder nicht geschafft hat, den Dolby Digital Ton synchron zu übertragen. Schaffen die ja nie. Es ist momentan auch der einzige mir bekannte Sender, der dazu nicht in der Lage ist. Naja, vielleicht nach der nächsten Gebührenerhöhung.

Wie auch schon bei meinem Bericht zum Semifinale, ist dieser hier während der Übertragung entstanden. Heißt also, zum Zeitpunkt der Lieder wusste ich nicht, wer gewinnen wird, zu Beginn eines Liedes wusste ich nicht, wie es ausgeht (mit Ausnahme der von Donnerstag bekannten Songs).

01 Bosnien01 Bosnien

Im ersten Moment dachte ich an 1998 als „Neka mi ne svane“ eröffnete, auch ein ehemaliges jugoslawisches Land. Ich warte darauf, dass dieser sehr üppige grüne Rocksaum als Trickkleid entpuppt. Aber bis zum letzten Klang: kein Trickkleid.

02 Spanien02 Spanien

Mit der Hüfte wackeln können sie. Kann ich aber auch … und ich hab mehr Hüfte *hrhr*. Ansonsten haben die vier jungen Männer eine Hüpfkchoreographie, die schon bei DJ Bobo so erfolgreich war. Einer der Sänger könnte mit dem Moderator der Sendung verwandt sein. Und wie singen die Jungs? Naja, da sind so viel Effekte drauf, dass ich befürchte, ich will die gar nicht Unplugged hören: schwache Stimmen, die nur durch Hall Volumen bekommen.

03 Weißrussland03 Weißrussland

Peter Urban hat seine Texte doch modifiziert. Für ihn sieht der russische Sänger doch nicht mehr aus, wie der junge Pierce Brosnam sondern wie Ken von Barbie. Meine Rede.

04 Irland04 Irland

Ein bisschen sieht sie ja schon aus wie Kader Loth, aber das Lied gefällt mir (durch meinen Vater hab ich wohl zu viel irische Musik gehört. Das prägt.). Ging ein wenig lahm los, aber danach kann ich bis auf die leicht peinliche Choreographie nicht meckern.

05 Finnland05 Finnland

Die weibliche Version von Bill Kaulitz. Kann auf jedenfall besser singen. Das Lied gefällt mir auch, auch wenn man klar erkennt, dass Finnland da weiter macht, womit es letztes Jahr Erfolg hatte. Da das Lied durch die Sängerin deutlich melodischer ist als Lordi; eindeutig ein Fortschritt. Und das erste Mal, dass die Windmaschine im Einsatz ist. Und natürlich der Gastgebervorteil. Aber hier bin ich mit Peter Urban einer Meinung, wenn man dieses Lied als Favoriten händelt.

06 Mazedonien06 Mazedonien

Wie ich am Donnerstag schon schrieb: nichts besonderes. Ich hatte es auch schon kaum mehr in Erinnerung. Im Gegensatz zu den ganzen (Ost-)Europäern, die dieses Lied weiter gewählt haben.

07 Slowenien07 Slowenien

Die leuchtenden Steinchen auf der Hand der Sängerin waren ein bisschen angeordnet wie „SS“-Runen. Ist mir heute das erste mal beim Rückblick vor dem Song Contest aufgefallen.

08 Ungarn08 Ungarn

Immer noch ein schönes Stück mit „Seele“. Und immer noch keine Windmaschine, keine Pyro-Effekte, das Lied lebt durch die Stimme der Sängerin. Ich bin zumindest froh, dass nicht alle Lieder, die mir am Donnerstag gefielen auf der Strecke geblieben sind.

09 Lithauen09 Lithauen

Eine leicht melancholische Balade mit Kubanischen Einflüssen. Nicht unbedingt mein Favorit, dennoch gehört es schon zum Besseren, was der Song Contest dieses Jahr zu bieten hat.

10 Griechenland10 Griechenland

Nicht zu überhören, dass man sich hier bei Ricky Martin und „Livin La Vida Loca“ bedient hat. Dazu ein paar giechisch-folklorisch Elemente und eine Steckdosenchoreographie (also wenn die Tänzerinnen einfach nur noch zappeln). Außerdem noch Bänder an Kleidern … auch nicht das erste mal, dass man das beim Song Contest gesehen hat.

11 Georgien11 Georgien

Bond-Björk is back. Obwohl mir das Lied jetzt eindeutig besser gefällt. Und bei dem Tänzer, der in die Kamera geblödelt hat, bin ich mir nicht sicher ob das so gewollt war … nachher nochmal die Aufzeichnung von Donnerstag anschauen. Okay, okay, „Ray of Light“ ist auch drin.

12 Schweden12 Schweden

Schon wieder jemand, der Bill Kaulitz Konkurrenz machen könnte. Musikalisch das ganze dann aber doch eher Richtung Beach Boys und T-Rex.

In der Postcard filmt eine Frau die Oper Turandot mit ihrem Handy. Bei uns käme danach ein „Raubkopierer sind Verbrecher“.

13 Frankreich13 Frankreich

Ich glaub ich hab noch nie einen so schwulen Eurovision Song Contest gesehen. Das Lied ist recht kurzweilig, nicht schlecht, erinnert mich ein wenig an die Songs in 7 Frauen. Außerdem haben die Franzosen das Intro von Weißrussland geklaut, und fast 1:1 in das eigene Lied eingebaut. Bemerkenswert.

14 Lettland14 Lettland

Die Kutschenfahrer kommen viel zu schnell und lässig auf die Bühne. Das passt nicht zu so einer voluminösen Ballade. Genausowenig wie die Jeanshosen der Männer. Was die wohl auf italienisch singen? „Wolle Rose kaufen“ (Ich musste gerade an Bastian Pastewka denken… und der eine Sänger sieht auch noch so ähnlich aus)?

15 Russland15 Russland

Die Russen versuchen es wieder mit jungen Mädels. Und ich bin mir sicher, dass da noch Hüllen fliegen werden. Ansonsten hätte das Lied nichts besonderes. Lied beendet: die Kleider blieben an, also: nichts besonderes.

16 Deutschland16 Deutschland

Singen kann er auf jedenfall. Ich bin mal sehr gespannt, was das an Punkten gibt. Beim Vorentscheid war Weltfrauentag, morgen ist Muttertag. Ob das Auswirkungen hat ;-) Auf jedenfall war ich von der Stimmung von Roger Cicero auf der Bühne positiv überrascht.

17 Serbien17 Serbien

So, die mobsige Lesbe singt wieder. Direkt nach uns ein Lied, dass schwermütig die gute Stimmung von Roger kaputt macht. Ob uns das Stimmen kosten wird. Schlecht ist Serbien auf jedenfall nicht und das Semifinale haben sie verdient gemeistert. Beim zweiten Hören gefällt es mir auf jedenfall sehr viel besser. Einer der besten Beiträge bislang.

Wofür sie betet, kann man sich denken, wenn man sich mal den Liedtext zur Gemüte führt, Herr Urban.

18 Ukraine18 Ukraine

Aaahh, was ist DAS? Je weiter das Lied voran schreitet, desto aggressiver werde ich. Wobei „Lied“ auch etwas übertrieben ist. Aber wenn ich mir anschaue, wie gut „humorige“ oder außergewöhnliche Beiträge die letzten Jahre abgeschnitten haben, prophezeie ich einfach mal eine ziemlich gute Platzierung – obwohl heute eindeutig bessere Lieder dabei sind.

19 Großbritannien19 Großbritannien

Nicht ganz so trashig wie der Vorgänger, aber normal ist das auch nicht. Es ist wenigstens authentisch: Die Saftschupsen-verkörpernden Sänger sind mindestens genauso schwul wie die echten über den Wolken. Das Lied ist irgendwie Brit-Pop/Eurodance, wie ich ihn seit Jahren als „aus der Mode“ geglaubt hatte.

20 Rumänien20 Rumänien

Das zweite Mal Italienisch. Und das erste mal die Kamera voll im Bild, da hat der Bildregiesseur oder einer der Kameramänner nicht aufgepasst. Der Text ist immer die gleiche Strophe nur in unterschiedlichsten europäischen Sprachen von Männern in klischeehaften Outfits präsentiert. Obwohl ich die deutsche Version „Überall auf der Welt heißt Ich liebe dich das gleiche“, vorgetragen von nem Fußplattler oder jemandem mit Schwarzwaldhut vermisse ;-) .

21 Bulgarien21 Bulgarien

Super, das Lied hat immer noch keine Musik. Ein bisschen wie Björk „Everything is music“. Und die Trommeln sind auch da und machen es immer noch nicht besser. Zeit mal auf Klo zu gehen.

22 Türkei22 Türkei

Das Lied hat eine Tonfolge, dass ich dachte, mein Telefon klingelt. Das Lied ist sicherlich nicht das schlechteste, was die Türkei bisher zum Eurovision Song Contest geschickt hat, aber soo gut gefällts mir auch nicht.
Und schon wieder das Telefongeräusch …
„Sven Ottke“ … da hat Peter Urban recht, dem sieht der auch ähnlich.

23 Armenien23 Armenien

Ein bisschen musste ich an die nicht qualifizierten Monrose denken, das Bühnenbild, die Bäume. Der Sänger haucht mir ein bisschen zu oft ins Mikrofon. Das Lied sorgt nochmal für ein bisschen Herzscherz gegen Ende und der Flöter sieht total dumm aus, wenn er die Flöte im Mund hat.
Der Sänger haut sich gegen Ende Filmblut auf sein weißes Hemd in Herzhöhe. Welche Tragik.

24 Moldawien24 Moldawien

Das Lied gab es am Donnerstag schon einmal und es ist genauso unspekatulär wie bekannt.

PausenactPausenact

Naja, mein Geschmack ist es nicht unbedingt so… in einigen Teilen okay, aber es gab eindeutig bessere Pausenacts, meine Favoriten sind da zum Beispiel 1998, 2000 und 2001. Das hier ist so … gewöhnlich unkonventionell.

WertungWertung

Es ist gemeint bei Weißrussland zu lachen, aber im Publikum haben auch welche gelacht. Das Mädchen, dass die Punkte aus Belarus vorträgt, ist glaub ich das erste mal heute im Fernsehen. Ansonsten habe ich das Gefühl, dass die europäischen Fernsehsender (mit einigen Ausnahmen) ihre hässlichsten Moderatoren vor die Kamera gedrängt haben um die Punkte zu verteilen. Dazu wie jedes Jahr fast ausschließlich Blueboxen oder Projektionsleinwände im Hintergrund, damit es richtig schön billig aussieht. Ganz nett der slowenische Moderator, der sich mit einer Taschenlampe ins Gesicht leuchtete um so auf die slowenische Sängerin mit den Leuchtsteinen in der Hand zu verweisen. Der lettische Moderator, dem die irgendwelche Drogen in den Kaffee geschüttet haben, sang die 12 Punkte mit dem Refrain aus dem Ukrainischen Trash-Song. Paul de Leeuw aus den Niederlanden, der es sich wie im letzten Jahr nicht nehmen lassen wollte, auch die Punkte 1-7 im Schnelldurchlauf zu nennen, vergab die Punkte für Serbien an „Kelly Osbourne“. Die 12 Punkte wurden von Edsilia Rombley genannt, die am Donnerstag für die Niederlande ausgeschieden ist.

ErgebnisErgebnis

Gewonnen hat Serbien, während vor allem Serbien und die Ukraine in der ersten Zeit häufig die Spitze wechselten. Ich habe dann die Daumen für Serbien gedrückt. Für Deutschland gab es den 19. Platz mit 49 Punkten. „49 Punkte, eine gute Punktzahl“ kommentierte Peter Urban, der die Niederlage offenbar nicht wahr haben wollte. Ich denke, 49 Punkte sind kein allzugutes Ergebnis, wenn die Mehrheit der Teilnehmer mehr Punkte als 49 hat und 269 den Sieger kührten.

Es war schon sehr erstaunlich, dass fast ausschließlich Osteuropa gute Plätze gemacht hat, woran es lag, dass es dieses Jahr so extrem war kann ich nicht sagen. Für den Fall, dass es aber so die nächsten Jahre weitergehen sollte, befürchte ich, dass dieser Wettbewerb für den „Westen“ uninteressanter werden könnte.

Ansonsten war es ein schöner Eurovision Song Contest, vor allem sehr gut gefiel mir auch die Moderation, insbesondere die des männlichen Moderators, der z. B. im Semifinale bei der Bekanntgabe der Finalisten aufgeregt war wie ein Kind im Spielzeugladen und rumalberte. Auch die Gastmoderatorin in ihrem pinken Kleid lockerte die ganze Veranstaltungen durch ihre Moderation auf.

Mal schauen, was uns nächstes Jahr erwarten wird …

UPDATE 14.05.2007UPDATE 14.05.2007

Noch zwei interessante Links. Zum einen haben mich schon häufig mal Leute irritiert gefragt, wieso Länder wie Russland, die Türkei oder Israel am Eurovision Song Contest teilnehmen, wo sie doch nicht (oder größtenteils) nicht in Europa sind. auf DWDL.de gab es heute einen interessanten Artikel zum kuriosen Regelwerk der Eurovision.

Zum anderen geht der BildBlog heute auf die nationalistische Einstellung der „Bild“ ein, und hat – und das ist das eigentlich interessant – eine Liste der Platzierungen ohne die Stimmen aus den osteuropäischen Ländern erstellt. Das Interessante dabei: die ersten Plätze sind den tatsächlich erreichten Plätzen sehr ähnlich, wenn nicht sogar gleich.

Kategorie: Fernsehen
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