10. Juli 2007

Für eine Handvoll „Ten-Cents“Für eine Handvoll „Ten-Cents“

Was trudelte da in mein E-Mail-Postfach, eine Nachricht mit dem Betreff „LCD Fernseher geschenkt“. Eine Werbung für das neue Auktionshaus tencents.de (auf Verlinkung verzichte ich mal), die mir verspricht: „heute schenken wir Ihnen bei www.tencents.de/nl/12345/ alle auslaufenden Artikel – egal ob LCD Fernseher, Xbox 360 oder iPod“. Klingt ja ziemlich toll, aber man ist ja nicht doof und schaut sich das Angebot einmal genauer an.

Ten Cents ist ein neues Auktionshaus, das sich von Konkurrenten wie eBay unterscheidet: die Gebotsschritte sind nur in Zehn-Cent-Schritten möglich (daher auch der Name) – So sollen möglichst geringe Preise erreicht werden. Zum anderen gibt es kein festes Enddatum für eine Auktion; dies entspricht eher einer echten Auktion. Sollte also innerhalb der letzten Minute ein neues Gebot eingehen, wird der Countdown wieder auf 60 Sekunden erhöht. Dies wiederholt sich so lange, bis kein Gebot mehr eingeht. Das ganze klingt ja gar nicht mal so verkehrt und bis auf die Nur-in-Zehn-Cent-Schritten-Hürde, die das ganze ein wenig in die Länge zieht, auch gar nicht mal so uninteressant.

So funktioniert esSo funktioniert es

Das einzige, was mich ein wenig stutzig macht: ich kann nicht einfach bieten, sondern ich muss mir „Gebotsrechte“ kaufen – und zwar Prepaid. So kann ich, bevor ich überhaupt mein erstes Gebot abgeben darf, aus einem Gebotsrechte-Paket wählen (angefangen bei knapp 10 Euro), was auf ein Gebot heruntergerechnet 49,5 ct. macht. Das ganze wird auf der Homepage so begründet:

Um die extrem niedrigen Auktionsendpreise zu ermöglichen, finanzieren alle User, die Interesse an einem Artikel haben, diesen Artikel über ihre abgegebenen Gebote mit.

So langsam wird einem auch klar, wie das System für den Anbieter zu funktionieren scheint, denn Neuware so gut wie verschenken will keiner. Die Zehn-Cent-Spanne dient lediglich dazu, möglichst viele Gebote zu bekommen und somit den Verlust eines zu niedrigen Preises auszugleichen. Angenommen es wird ein Artikel für (unverbindliche Preisempfehlung) 100 Euro angeboten. Der Artikel wird für 60 Euro verkauft. 60 Euro sind allerdings 600 Zehn-Cent-Schritte – multipliziert man das mit dem Preis für ein Gebot, sind das nochmal (600 × 0,495 €) 297 Euro. Für Ten Cents hat sich das Angebot also gelohnt, denn es wurden 357 Euro eingenommen. Zieht man jetzt noch den Einkaufspreis ab (der sich ja auch unterhalb der UVP bewegen dürfte), ist das ein netter Gewinn. Je nachdem, wieviele Artikel dort täglich versteigert werden, würde dies eine beachtliche Summe ausmachen (Nur nochmal als Anmerkung: die Zahlen sind beispielhaft).

Durch dieses Prozedere, dass [Anm.: „das“] dem eines echten Auktionshauses entspricht, garantieren wir Ihnen Spannung und ein echtes Auktionserlebnis bis zum Zuschlag.

Es ist nicht anzunehmen, dass der Bieter (in o. g. Beispiel) sämtliche Zehn-Cent-Schritte alleine getätigt hat, somit bleibt eine Vielzahl der Bieter auf der Strecke und hat den Einsatz, fast wie in einem Glücksspiel gesetzt – und verloren. Und so etwas kenne ich nicht aus echten Auktionshäusern, dass man für jedes Gebot ca. das fünffache des Gebotsschrittes zahlen muss.

Das System startenDas System starten

Ich frage mich nun, wie man so ein System beginnt, wenn es noch kaum jemand kennt, denn falls sich nur wenige Bieter auf der Homepage herumtummeln, hieße das weniger Gebote, was wiederum zur Folge hätte, dass sowohl die Endpreise niedriger wären, als auch die Einnahmen durch Gebotsrechte niedriger ausfallen dürften. Ich will hier keine Mutmaßungen anstellen (nicht zuletzt, weil Ten Cents offenbar dagegen gerichtlich vorgeht), aber jeder der Google bedienen kann, wird genug hierzu finden.

Meine Gewinn-E-MailMeine Gewinn-E-Mail

Wenn ich mir jetzt nochmal meine E-Mail anschaue und mir versprochen wird, dass mir „auslaufenden Artikel“ geschenkt werden (mir der Endpreis zurückerstattet wird), ich jedoch einiges für die Gebotsrechte zahlen muss …  ist das überhaupt ein Geschenk? Ich bin kein Jurist, aber wenn in § 516 (1) BGB eine Schenkung beschrieben wird durch „wenn beide Teile darüber einig sind, dass die Zuwendung unentgeltlich erfolgt“, klingt das für mich, als wenn die Werbemail nicht den Tatsachen entspricht.

FazitFazit

Das Auktionshaus ruft bei mir nicht unbedingt Vertrauen hervor. Neben der E-Mail, die meiner Auffassung nach nicht korrekt ist, zahle ich auch nicht gerne Geld ohne eine Gegenleistung zu erhalten. Okay, ich spiele auch Lotto, jedoch ist dies noch staatlich und hat deshalb bei mir einen Sonderstatus. Es ist mir einfach ein zu hohes Risiko zu bieten, ohne zu wissen, ob ich den Artikel gewinnen werde und, sollte ich doch irgendwann den Zuschlag erhalten, wie viel er mich tatsächlich kosten wird.

Kategorie: Computer & Internet
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5 Antworten

  1. Fitch sagt:

    Guten Tag,

    ich habe auch eine solche Mail bekommen. Und obwohl ich soetwas eigentlich garnicht nachgehe. habe ich mir die Seite mal genauer angesehen.

    Und auf der Seite von Ten Cents steht, dass man die gesetzten Gebote, wenn man den Zuschlag nicht erhält, wieder gutgeschrieben werden.

    Jetzt Frage ich mich, ob man jetzt hier günstige Sachen kaufen kann oder nicht.

    MfG

    Fitchie

  2. Markus sagt:

    @Fitch:
    Ich hab nochmal nachgeschaut und den Teil, den du anführst nicht finden können. Stattdessen aber in den FAQ:

    ??&gt;>Wenn Sie sich z.B. dafür entscheiden 20 Gebotsrechte zu erwerben, können Sie so 20 mal bei unseren Auktionen bieten.<&lt;??

    Und in den AGB steht:

    ??&gt;>Mit der Abgabe des Gebotes gilt das Gebotsrecht als verbraucht.<&lt;??

    Dass man nach abgelaufener, nicht gewonnener Aktion die verbrauchten Gebotsrechte zurückerhält steht da nirgends, würde ja auch meinem bereits oben zitierten Absatz widersprechen:

    ??&gt;>Um die extrem niedrigen Auktionsendpreise zu ermöglichen, finanzieren alle User, die Interesse an einem Artikel haben, diesen Artikel über ihre abgegebenen Gebote mit.<&lt;??

  3. Olli sagt:

    Hallo zusammen,

    ich habe neulich via e-mail 200 € Bonus fuer das Auktionshaus bekommen und bin so auf die Seite gestossen. Die 200 € konnte auch nicht dafuer eingesetzt werden, um Gebotsrechte zu kaufen, sondern lediglich fuer eine Auktion. Weil mich die ganze Geschichte interessiert hat (und ich Volljurist bin) habe ich mir die Seite mal genauer angeschaut und mir die AGB vorgenommen und kann das FAZIT nur bestaetigen: seh zweifelhafte Geschichte und im Zweifel eher totale Abzocke als totales Schnaeppchen, vor allem fuer diejenigen, die nichts ersteigern… Ich habe mich dann auch mal hingesetzt und die Versteigerung eines Laptops ueber mehrere Stunden verfolgt und wahrscheinlich bieten die heute noch… Ach ja, noch was: wenn im Impressum einer Homepage schon der Rechtsbeistand aufgefuehrt wird, scheint sich auch der Betreiber darueber im Klaren zu sein, dass die ganze Geschichte eventuell nicht so richtig koscher ist!

    LG aus Duesseldorf
    Olli

  4. tom sagt:

    hallo kann das nich glauben das man ein notbook bei tencents.de für 30€ bekommt,kann mir einer sagen ob das stimmt

  5. Markus sagt:

    @tom: Lies dir nochmal den Artikel durch. Du zahlst zum einen >>Gebotsrechte<<, damit du überhaupt mitbieten darfst – ohne dafür eine Gegenleistung zu bekommen. Und dann kann die Aktion so lange verlängert werden, bis keiner mehr bereit ist, ein weiteres 10-Cent-Gebot abzugeben. Und bei 30 € wird es Leute geben, die auch bereit sind, 30,10 € zu zahlen…

    Selbst wenn du bei sagen wir 600 € den Zuschlag bekommen sollst, musst du tatsächlich mehr zahlen, weil du noch die benutzten Gebotsrechte hinzurechnen muss.

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