The IT Crowd vs. Das iTeam
Mir ist ja schon ein bisschen schlecht geworden, als ich die erste Episode von „Das iTeam – die Jungs mit der Maus“ gesehen hatte. Okay, dass ich von der deutschen Version von „The IT Crowd“ nicht zu viel erwarten durfte, war mir vorher schon klar. Dass es meine Erwartungen trotzdem noch so weit untertreffen würde, hätte ich nicht gedacht.
Die Serie ist 1:1 ins deutsche übersetzt worden (trotzdem wurden viele Witze weggelassen, zusammen gestrichen oder versaut), eine ähnliche Kulisse und Garderobe ist vorhanden, die Darsteller wurden entsprechend der britischen Vorbilder ausgewählt und selbst die Kameraeinstellungen und Schnitte sind fast identisch (Kann sich noch jemand an die Erfolgsserie „Hilfe meine Familie spinnt“ erinnern, in der sich RTL vor vielen Jahren an einer deutschen 1:1-Version von „Eine schrecklich nette Familie“ versuchte? Ein Reinfall… und dieses Konzept versucht gerade Sat.1 – das kann ja nix werden).
Der Titel der deutschen Version ist ja gar nicht mal soo schlecht, hat man „IT“ und die trendige Schreibweise mit kleinem „i“ drin (vgl. iGoogle, diverse Apple-Produkte). Ausserdem spielt das A-Team in der ersten Episode eine kleine Rolle, da passt der ähnliche Name auch. Der Nachsatz „die Jungs mit der Maus“ hätte man sich sparen können. Aber deutsche Fernsehsender haben ja offenbar eine Vorliebe für Untertitel. Dann war da noch der Titel der Episode, im Original „Yesterday’s Jam“ für das wir im Deutschen sinngemäß sagen „Schnee von Gestern“. Die Autoren Übersetzer wollten aber wohl nicht vom Frühstück weg und haben das ganze dann mit „Brötchen vom Vortag“ übersetzt. Wenn ich mich beim Bäcker an die Kiste mit dem Brot vom Vortag erinnere, dann ist dies billiger und meist nicht mehr so gut – und da stelle ich gerade erschreckende Parallelen zur deutschen Serie fest.
Es geht gleich mit dem Vorspann los, in dem nicht nett animiert wie beim Vorbild sondern relativ lieblos Videoaufnahmen aneinandergereiht wurden. Hierfür wurde der Originalsong entsprechend gekürzt. Danach geht es los mit einer Szene, in der erstmal der Name des Regisseur „Heinz Dietz“ derart groß und fehlplatziert fast über das Kinn von Sky du Mont eingeblendet wird. Ich überlege, welche besondere Aufgabe der Regisseur wohl gemacht hat, musste er doch nur überwachen, dass alles so aussieht, wie in Großbritannien.
Ich finde es auch schade, dass auf die Frage, welche Typ Mensch sich in der IT-Abteilung befindet, nicht wie im Original „standard nerds“ sondern „Ein Spitzenteam“ gesagt wird. Okay, das Wort „Nerd“ findet gerade erst seinen Weg in den Sprachgebrauch… aber ein „Computerfreaks“ hätte es da erstmal doch auch getan.
In einer Szene in der Originalserie vergleicht Moss die Erwachsenenausgabe von Harry Potter mit der Kinderausgabe von Harry Potter um zu überprüfen, ob diese auch wirklich identisch sind. In der deutschen Version vergleicht der deutsche Darsteller das aktuelle mit dem vorherigen Telefonbuch. Oh Mann… wenn sich „Nerd“ noch nicht fester Bestandteil der deutschen Sprache ist – Harry Potter ist es schon. Oder hat der Übersetzer noch nichts von Harry Potter gehört?!
Ansonsten ist die Serie in der deutschen Version viel zäher, die Schauspieler definitiv falsch besetzt und schauspielerisch keine Glanzlichter (selbst Sky du Mont wirkt, als wäre dies seine erste Schauspielrolle). Vor allem Gabriel, die deutsche Version von Moss, spielt derart hakelig, dass man meint, er würde vom Teleprompter ablesen und permanent seine Einsätze verpassen. Er wirkt auf mich auch eher wie ein deutsche Klischee-Beamter, als ein Nerd.
Bei der Produktion der Serie wurde sich auch nicht allzuviel Mühe gegeben (ist nur eine Kleinigkeit, aber es hat wohl nicht interessiert, dass der Vorspann ein anderes Seitenverhältnis hat). Die Serie wurde auf Video gedreht (mit Ausnahmen von Daily-Soaps und diversen Gerichtssendungen, wird heute das meiste auf Film gedreht… oder zumindest in einem einigermaßen authentischen Look), dies hatte zur Folge, dass es sowohl optisch (wie auch von den Darstellern) eher wie eine Folge „Lenßen und Partner“ wirkt.
Wer die Serie bislang noch nicht gesehen hat: abschalten, meiden, verdrängen. Das Original ist viel besser (selbst die Prosituierten im Abspann sind nuttiger und abgewrackt *g*). Wenn man britische Serien ins deutsche überführt und neudreht, dann darf man das nicht 1:1 machen, sondern auf das deutsche Publikum, die anderen Schauspieler und viele andere Faktoren achten. Serien, die in Deutschland funktioniert haben sind zum Beispiel „Stromberg“ („The Office“) oder ein Beispiel aussehalb des Comedy-Sektors „Im Namen des Gesetzes“ („Law & Order“)
Wer sich erst einen kleinen Vorgeschmack des Übels gönnen will, hab ich einen Vergleich von Ausschnitten aus den ersten Episoden zusammengestellt:
Wer sich einen Überblick über die gesamte erste deutsche Folge machen will, sollte einfach mal auf der Sat.1-Homepage suchen, dort ist sie vollständig als Flash-Video vorhanden (den ich jedoch hier mit keinem Link würdigen will).
Wer noch mehr Negativ-Kritik lesen will:
Leyla Levis
I-Jeriko
Nerdcore
Quotenmeter
Henning Schüring
… oder einfach mal bei Google suchen; man findet genug. Ich bin mal sehr auf die Quoten der Serien gespannt.
Wer positive Kritik sucht: die suche ich auch noch. Bitte nutzt hierfür die Kommentare, wenn ich welche findet.
PS: Weiß jemand, wieso, wenn Sky du Mont zum Ende der Episode verzweifelt versucht mit seinem Computer zu sprechen, das Bild im Hintergrund, das in der deutschen Version wohl irgendwie ein Monitor ist, der Sky du Mont auf dem Bild sich bewegt?!
UPDATE: Da ich bei Leyla Levis einen vermurksten Witz entdeckt habe, der mir bei der Serie gar nicht aufgefallen war (oder ich gerade Medikamente gegen den Brechreiz gesucht hatte *gg*), habe ich die Szene mit dem Plan, Jen/Sandy auflaufen zu lassen in das Video eingebaut.
UPDATE: Habe gerade mal die Alter der Darsteller verglichen… Roys und Moss’ Schauspieler sind in der ersten Episode 26 bzw. 29, die Schauspieler ihren deutschen Rollen Tom und Gabriel beide 36 (also nur ganz knapp vorbei). Leider habe ich nicht das Alter von Jens Darstellerin herausfinden können, aber sie ist doch sicher älter als die 27-jährige Schauspielerin der Sandy. Somit wurde beim Casting in Deutschland offenbar auch der Altersunterschied auf den Kopf gestellt.
iTeam ist wirklich einfach nur peinlich, ich hab da gestern zufällig reingeschaltet und mir ist nicht nur ein bisschen schlecht geworden
Das Original ist so geil und lustig, ich kann es jedem nur empfehlen! Danke btw für das Vergleichsvideo, werde ich direkt mal posten.
Aber mal ne andere Sache, warum wird nicht einfach das Original in Deutsch vertont ausgestrahlt? Die Produktionskosten können doch nicht viel niedriger sein als die Lizenzkosten, oder?
Soweit ich gehört habe, haben sie sich nur für die Musik ne Lizenz geholt. Kann aber nicht sagen, ob das stimmt und wo ich das aufgeschnappt habe.
Aaaah, das ist definitiv schlecht.
Warum die das neu gedreht haben?
"Letztlich haben wir das wie ein Theaterstück übersetzt und spielen es – fast – eins zu eins nach. Viele Pointen gehen natürlich nicht: „Made in Britain“ [als Erklärung dafür, warum etwas nicht funktioniert] ist in England ein Brüller. „Made in Germany“ wäre das in Deutschland nicht – sondern gäbe einen Proteststurm."
Siehe auch: http://www.fernsehjunkies.de/news/crowd-interview-12156-3.html
In der Tat, das ist ein sehr – stiller – Humor… Den hört man kaum raus in der deutschen Fassung… Hüstel.
Ad Astra
Danke fürs verlinken, und danke für das lang erwartete Video zur Gegenüberstellung
Schöne Review! Und danke für das Video – sehr anschaulich.
Muss dir recht geben…leider…..
Finde das Original großartig….und die deutsche Fassung unterschreitet das Original um Längen.
Das liegt für mich zwar auch an den Schauspielern (in erster Linie Sky DuMont und Stefan Puntigam), aber nicht nur. Finde es grottenschlecht gefilmt und billig geleuchtet und miserabel geschnitten.
Man kann nämlich bei den anderen Darstellern (Britta Horn und Sebastian Münster) sehen, dass sie durchaus was können und Tempo und Witz haben, aber mir scheint, das Drumherum ist lieblos ins Bild gesetzt und lahm gecuttet.
Schade….
"Yesterday’s Jam" hätte man mit "Kalter Kaffee" übersetzen können, um bei der Frühstücks-Thematik zu bleiben!
Ich habe mir die Folge gerade mal angesehen und festgestellt, dass man "yesterday’s jam" einfach wörtlich mit "Marmelade von gestern" hätte übersetzen können, denn es hat nichts mit "Schnee von gestern" zu tun, sondern ist nur ein spontaner Vergleich.
Krass! Hätte ich garnicht gedacht…
Nikolaus Köln