Auf Wohnungssuche
In meinem inzwischen siebten Jahr pendel ich täglich von Essen nach Duisburg und wieder zurück. Jeden Tag Stau, zähfließender Verkehr, Autofahrer, die mich aufregen und das spiel „Welche Route fahre ich heute, damit ich möglichst staufrei durch komme“. Eigentlich hatte ich immer gesagt, dass ich nie nach Duisburg ziehen werde, da diese Stadt … naja, wie beschreibe ich es am besten, ohne jemanden zu verletzen … nein, ich lasse es lieber ganz
Aber meine Meinung hat sich inzwischen geändert – nicht was die Stadt an sich betrifft, sondern dass es einfach praktisch *und* günstiger ist, wenn ich in der Nähe meines Arbeitsplatzes wohnen würde.
Wenn ich mir die Wohnungen bei Immobilienscout24.de und Immowelt.de anschaue, stelle ich fest, dass Spätherbst/Winter nicht die optimale Zeit für die Wohnungssuche ist. Die Angebot sind qualitativ oder auch quantitativ nicht so das, was ich mir gewünscht habe. Selbst wenn ich mal bei der Suche die Miethöhe frei lasse, erhalte ich nicht wirklich viele Wohnungen wo ich sagen könnte: die ist es.
Die Traumwohnung
Okay, Traumwohnung ist vielleicht ein zu hoch gegriffener Begriff, aber eine recht optimale Wohnung für mich wäre:
- Irgendwo eine helle Wohnung nahe des Duisburger Innenhafens, also Duissern, Neudorf, Mitte, Altstadt, Ruhrort, Neuenkamp, Kaßlerfeld – die Gegend sollte aber nicht zu schlimm sein. Und ich möchte nicht unmittelbar neben der A3, A59, A40, den Bahnschienen oder einer anderen Hauptverkehrsstraße wohnen.
- Zwischen 60 und 80 qm
- Einen Balkon irgendwo Richtung Süden bis Westen
- Entweder Digital-Sat im Haus oder die Möglichkeit auf dem Balkon eine Satellitenschüssel zu montieren.
- 2 bis 3 Zimmer, schön geschnitten (und nicht so eine ulkige Aufteilung, dass die Diele eines der größte Räume ist)
- Nach Möglichkeit eine geschlossene Küche, denn wenn ich mal etwas frittiere soll nicht gleich das ganze Wohnzimmer danach riechen.
- Wannenbad wäre nicht schlecht, eins nur mit Dusche nehme ich aber auch noch. Und falls es noch ein Fenster hat, wäre es super (Und ich bin auch ein „Fan“ von Gäste-WC)
- Man sollte dort auch mit recht wenig Mühe einen Parkplatz finden können; sowohl zu Arbeitszeiten als auch abends oder am Wochenende.
- Falls Erdgeschoss, dann zumindest Hochparterre, falls man mir sonst in die Wohnung schauen könnte. Und ich will die Wohnung auch ohne Aufzug erreichen können, ohne jedesmal schweißgebadet zu sein (also 3–4 Etage maximal)
- Ich möchte nicht dass die Wohnung altbacken aussieht. Besonders gut kann man das am Badezimmer festmachen. Ich habe schon einige nette Wohnungen im Internet gesehen, die sich durch das Bad disqualifiziert haben. Teilweise total verbaut oder die übelsten Farbkombinationen der Fließen *schauder*
Was mir natürlich richtig gut gefallen würde, wäre eine Wohnung mit Dachterasse (allerdings keine Dachwohnung – das habe ich jetzt schon: die Schrägen schränken ein und die Temperatur im Sommer ist Mist).
Naja, Wünsche kann man ja viele haben, ich denke, ich werde auf einige verzichten müssen … dies aber auch können, da ich weiß, dass ich leider keinen Goldesel habe.
Wohnung 1: Neuenkamp
Die erste Wohnung, die ich mir angeschaut hatte, war in Neuenkamp. Ein Stadtteil, den ich bis dahin nicht mal kannte. Die Lage der Wohnung war auch nicht zu schlecht: relativ nah am Rhein, aber nicht zu weit von der Firma entfernt. Die Wohnung an sich wurde erst vor wenigen Jahren saniert – aber leider hatte seitdem offenbar eine Raucherin darin gewohnt. Das Nikotin-Abschrubben der Fliesen hätte mich schon gefreut. Entgegen des Grundrisses im Internet hatte die Wohnung sogar eine Wanne im Badezimmer … hierfür fehlte dann aber leider der Platz für die Waschmaschine/Trockner. Die Fliesen in der Diele, Küche und im Bad waren in einem Terracotta-Ton – auch anders als die weißen Fliesen auf den Fotos im Internet. Das ist offenbar das Problem, wenn man Fotos einer Musterwohnung gezeigt bekommt. Ansonsten war die Wohnung nicht schlecht geschnitten, jedoch war das Wohn- und Esszimmer im Vergleich zum Schlafzimmer viel dunkler und auch nicht so viel größer.
Die Wohnung war also „ganz nett“, aber leider auch nicht mehr.
Wohnung 2: Ruhrort
Die Wohnung klang in der Beschreibung echt gut. Sie war groß, gut gelegen und hatte einen sehr großen Südbalkon mit Blick Richtung grün. Die Wohnung befände sich laut Anzeige noch in der Renovierung und man könne so bei Bodenbelägen und Fliesenspiegel in der Küche mitbestimmen – das ist doch mal was.
Als ich dann die Wohnung zu Gesicht bekam, war diese schon deutlich weiter, denn die Anzeige stand schon eine ganze Zeit im Internet. Der Vermieter, der die Renovierung selbst nach Feierabend durchführt, hatte inzwischen die Böden verlegt, die Wände tapeziert war gerade mit dem Fliesenspiegel beschäftigt.
Der Boden war einigermaßen okay. Buche-Laminat, auch wenn die Farbtöne sich in den einzelnen Räumen leicht unterschieden. Schlimmer hingegen waren die Tapeten: Wer um alles in der Welt tapeziert heute noch mit Schaumstoff-Struktur-Tapete, wenn er nicht weiß, was der Mieter will? Raufaser ist doch eigentlich neutraler Standard?! Naja, willkommen in den 80ern. Wenn ich den Kommentar des Maklers „das kann man ja nochmal überstreichen“ folgen würde, dann sähe es danach ja noch schlimmer aus.
In der Küche der Fließenspiegel war soweit okay. Die Fliesen waren nicht alle krumm und schief … ABER: Es gibt Fliesen, die man in der Küche für so etwas benutzt. Meist sind das kleinere quadratische Fliesen, vielleicht auch schonmal ein Fliesenteppich. Was dort an der Wand hing waren 1a-Badezimmer-Wandfliesen.
Die Wohnung war es also auch nicht.
Wohnung 3: Neudorf
Die nächste Wohnung auf meiner Liste war in Neudorf; eine Wohnung im Innenhof. So etwas wäre zwar nicht meine erste Wahl, aber die Bilder sahen nicht zu schlecht aus und der Innenhof hatte den Vorteil, dass so die Geräusche des Sternbuschwegs nicht so durchdrangen.
Als ich mich der Wohnung mit der Maklerin näherte gab es zwei Sachen zu sehen: 1) Die Terasse zu meiner rechten hatte auch schon bessere Zeiten gesehen und müsste erstmal entmüllt werden, um hier etwas vernünftiges machen zu können und 2) Die Vermieter zu meiner linken schauten mich zwar an, aber hielten es auch nicht für nötig, meinen Gruß zu erwidern. Gleich zu Beginn eine angenehme Antmosphäre.
Die Wohnung an sich: groß aber dunkel. In den Innenhof fällt ja leider eh schon nicht so viel Licht, aber dass dann in einem fast 40 qm Wohnzimmer gerade mal ein Fenster von 1,5 Metern Breite ist, ist ein bisschen dürftig. Die Küche innerhalb des Wohnzimmers, also Wohnküche, wurde räumlich durch eine – nennen wir es mal mit etwas gutem Willen – eine Bar bzw. Theke abgetrennt. Gasbetonsteine, lieblos und handwerklich schlecht aufeinander geklöppelt und dann Holzplatten oben drauf.
Die ganze Wohnung strahlte, mal abgesehen von der Größe eher den Flair einer Schrebergartenlaube oder eines feuchten Partykellers aus. Also auch nichts für mich … weitersuchen!
… wird fortgesetzt.
Frage mich wer in Neuenkamp wohnen möchte… da gibt es düstere Ecken! Nicht dass Dir die bösen Buben Nachts auflauern…
In Ruhrort unbedingt nachschauen ob Du nasse Füße im Keller bekommst. Die sind gerne mal feucht…
Wie wäre es denn mit Wedau, Wanheimerort (Grenze zu Wedau nicht die dunkle Seite zum Rhein hin) oder Buchholz??? Die Gegenden sind meistens sehr schön und ruhig und auch nicht so weit von der Firma weg…
Hast Du es mal bei den Genossenschaften versucht? Ein Freund von mir zieht bald aus seiner Genossenschafts-Wohnung aus. Etwa 60 Quadratmeter, Bad usw. in einwandfreiem Zustand in der Schreiberstraße. (Maximal 10 Minuten zu Fuß von Deinem Büro entfernt.) Ist in der 2. Etagen. Kleiner Nachteil: Er ist starker Raucher und die Böden sind im Genossenschafts-Einheitslook mit PVC belegt.
Hi Patricia. Ich hatte inzwischen sogar schon eine Wohnung einer Genossenschaft besichtigt (ich sammel erst wieder und mach dann einen neuen Blogpost *g*). An sich war die Wohnung nicht schlecht und sogar gerade kernsaniert. Neben diversen Kleinigkeiten hatte die Wohnung für mich einen großen Makel: Nur Kabel-TV und kein Sat (und welche Meinung ich zu Kabelfernsehen habe, kann man hier ja auch eindrucksvoll nachlesen). Die Wohnung war von der gleichen Genossenschaft, da sie in einer Parallelstraße der Schreiberstraße war. Also falls die Wohnung deines Freundes keinen (mehr oder weniger) Südbalkon hat, fällt die für mich schonmal raus. Und selbst wenn … da ich dann mit der gleichen Dame von der Genossenschaft zu tun haben dürfte … ob die nochmal so Lust auf mich hätte, nachdem ich schon wegen Sat gefragt hatte
Gerade auf deinen Blog gestolpert und ein wenig nachgelesen. Das leidige Thema der Wohnungssuche. Das schlimmste ist ja, wenn man auf die bekannten Anbieter zurückgreift, aka Immo24, Immowelt oder ähnliches deckt man in der Regel deutlich zu wenig ab. Oftmals muss man tatsächlich versuchen lokale Vermietungen im Internet ausfindig zu machen. Viele stellen Ihre Objekte nur auf deren, kaum findbare Homepage. Bei uns in Leipzig greife ich aktuell auf die Immobiliensuche der LVZ (Leipziger Volkszeitung) zurück. Solch ein Angebot gibt es sicherlich auch in anderen Städten!?