Dumme deutsche Filmtitel
Ich hatte mich hier ja schonmal über die Merkwürdigkeiten Deutscher Filmtitel geäußert. Ausländische, vor allem amerikanische Filme haben nicht selten deutsche Titel, die mit dem Original nicht ganz so viel zu tun, den Sinn entstellen oder einen Teil der Handlung vorweg nehmen. Es ist sicher nicht damit getan, einfach alle Originaltitel zu übernehmen oder alles wörtlich zu übersetzen, aber manchmal wünscht man sich vielleicht, dass der Verleiher in Deutschland doch mal fünf Minuten länger über einen Titel nachgedacht hätte.
Wieso werden so häufig merkwürdige Titel verwendet. Meist wird dies mit Marktforschung begründet, dass bestimmte Leute eines Panels zu unterschiedlichen Vorschlägen befragt werden. Ich habe nicht viel Erfahrung mit Marktforschung, aber zumindest von einem Insider weiß ich, dass dort auch vieles geschönt und gefälscht wird, weil das Geld zu wenig und die Konkurrenz zu groß ist.
Außerdem ist es ja auch immer so eine Sache, wie gefragt wird und wen ich frage (Wer kennt nicht den Satz „Traue keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast“). Wenn ich mehren Leuten verschiedene Titelvorschläge vorlege und einer ist schlechter als der andere, dann kann man doch froh sein, wenn der weniger schlechteste gewählt wird.
Ich mein, ich kann auf verstehen, dass viele Titel sich nicht für den deutschen Markt eignen, weil sie einfach zu kompliziert sind für Leute, die nicht all zu gut Englisch können. Oder weil Sie Wortspiele, Doppeldeutigkeiten, Zitate oder für Deutsche Unbekanntes enthalten.
- Beispiel Wortspiel/Doppeldeutigkeit:
Der Babynator
(OT: The Pacifier)
„Pacifier“ heisst Friedensbringer, kann aber auch Schnuller bedeuten; was für den Film passend ist, in dem Vin Diesel einen Spezialagenten spielt, der als Babysitter abgestellt wurde (nichtsdestotrotz finde ich, ist der deutsche Titel Müll) - Beispiel Kompliziert/Zitat:
Vergiss mein nicht
(OT: Eternal Sunshine of the Spotless Mind)
Das Original ist ein Zitat aus Alexander Popes Gedicht „Eloisa to Abelard“, das hierzulande wenig Bekanntheit besitzt. - Beispiel Unbekanntes:
Und täglich grüßt das Murmeltier
(OT: Groundhog Day)
Ganz ehrloch: vor dem Film wusste doch kaum ein Deutscher was ein Murmeltiertag ist
Es ist nicht immer einfach, sich für einen Titel zu entscheiden, wenn ein Film auf den hiesigen Markt kommen soll. Auch wird gerne angeführt, dass eine wörtliche Übersetzung für uns „zu merkwürdig“ klingen würde. Das mag vielleicht stimmen, aber das kommt ja bestimmt auch zu einem gewissen Teil daher, dass wir es durch viele merkwürdige deutsche Titel nicht anders gewohnt sind. Alles eine Sache der Gewohnheit.
Eine dieser Gewohnheiten sind beispielsweise Untertitel. Egal in welcher Sprache der Titel ist, ein Untertitel scheint für viele Verleiher nochmal eine Spielwiese zu sein, auf der man bei Komödien nochmal eine Super-Pointe einbauen kann oder bei Horrorfilmen noch mal einen gefährlichen Hinweis einbaut – in der Hoffnung, dies könne das letzte Zünglein an der Waage sein, wenn man sich für einen Film entscheiden will.
Und was auf mich auch immer besonders befremdlich wirkt, wenn sich das Marketing sagt „Nehmen wir einen englischsprachigen Titel, weil das cool ist“, aber man sich gegen den Orginaltitel entscheidet (der ja schon in coolem Englisch ist) und stattdessen einen alternativen englischen Titel erfindet. Und damit den dann auch noch die nicht-Englisch-sprechenden auch noch etwas zum Verstehen haben: … gibt es einen Untertitel.
Hier mal eine Auflistung von ein paar merkwürdigen, unpassenden oder einfach nur dämlichen deutschen Filmtiteln.
- Eve und der letzte Gentleman
(OT: Blast From the Past)
Okay, bei einer wörtlichen Übersetzung, wäre dieser nicht so plakativ gewesen und hätte sich auch nicht gereimt. Doch aus dem Titel einer netten Komödie wurde der Titel einer Frauen-Schnulze. - Good Vibrations – Sex vom anderen Stern
(OT: What Planet are You From?)
Hier wollte man wohl besonders witzig sein. Ein englischer Fake-Titel und ein Pseudountertitel für die Deutschen und schon hat man einen Filmtitel, der eher nach C-Porno klingt. - Der Super-Guru
(OT: The Guru)
Man musste ja ein „Super“ mit in den Titel nehmen, da man ja schon einige Jahre zuvor den Film „Holy Man“ mit Eddie Murphy unter dem Namen „Der Guru“ in Deutschland veröffentlicht hatte. Wer sich die deutsche Version von „The Guru“ kaufen will, darf aber nicht nach dem Super-Guru suchen – Amazon liefert hier keine Treffer – sondern nach „Der Sex-Guru“ … ah ja. - Wenn Träume fliegen lernen
(OT: Finding Neverland)
Der (fiktiven) Verfilmung des Lebens von Peter-Pan-Autor J. M. Berrie wurde ein deutscher Titel gegeben, der durch die Verkitschung bestimmt so manchen potentiellen Zuschauer eher abgeschreckt hat. - Agent 00 – Mit der Lizenz zum Totlachen
(OT: Spy Hard)
Der Titel hat irgendwie Kindergarten-Niveau. Zum einen der Titel mit der WC-Doppelnull und dann noch der Untertitel, der versucht, dem letzten Depp klar zumachen, dass es sich hierbei um eine Mörderkomödie handeln muss. - Die Ritter der Kokosnuss
(OT: Monty Python and the Holy Grail)
Der Name der Comedians ist aus dem Titel verschwunden und da man offenbar dem Publikum nicht zutraute, etwas mit „Heiliger Gral“ anfangen zu können, wurde aus einem amüsanten, wenn auch nebensächlichem Detail, der Filmtitel gebastelt. - Die Geheimnisse der Spiderwicks
(OT: The Spiderwick Chronicles)
Hier verstehe ich nicht, wieso man nicht einfachauf den deutschen Buchtitel „Die Spiderwick-Geheimnisse“ zurückgegriffen hat, wenn man schon auf die „Aufzeichnungen“ verzichten will. Aber in der gewählten Variante impliziert der Titel, dass die Wesen Spiderwicks heissen und nicht deren Entdecker und Beobachter Arthur Spiderwick. - Voll auf die Nüsse
(OT: Dodgeball: A True Underdog Story)
Hier wollte mal wieder jemand wieder richtig lustig sein und hoffte durch einen zotigen Titel mehr Besucher anzulocken. - Wie ein einziger Tag
(OT: The Notebook)
Nur weil der Hauptdarsteller seiner Frau eine Geschichte an einem Tag vorliest, soll sich der Titel offenbar rechtfertigen. Was bin ich froh, dass der Titel dann nicht gleich „Wie neunzig Minuten“ geworden ist. - Die neun Pforten
(OT: The Ninth Gate)
Nur eine Kleinigkeit, aber ich verstehe nicht, wieso, wenn man doch schon so nah am Original bleibt, nicht auch „Die neunte Pforte“ als Titel verwendet. - Rache ist Sexy
(OT: John Tucker Must Die)
Erinnert mich ein wenig an das Hick-hack, bei dem nach dem Massaker an der Columbine Higschool aus „Tötet Mrs. Tingle“ ein „Rettet Mrs. Tingle“ wurde. Vielleicht schien nach Erfurt und Co. dem Filmverleih eine wörtliche Übersetzung zu unangebracht. Auf der DVD gibt es noch den Zusatz „Wir kriegen dich, John Tacker“ – auch schön, wie aus einem u ein a wird … obwohl, dann würde man es ja „Täcker“ aussprechen – dann säh der Untertitel ja noch schlimmer aus
- Die Eisprinzen
(OT: Blades of Glory)
Die Anspielung auf den Bon-Jovi-Song „Blaze of Glory“ geht natürlich verloren … dafür ist der Deutschlandtitel erstaunlich unspäktakulär. - Hot Fuzz – Zwei abgewichste Profis
(OT: Hot Fuzz)
WTF?! Also mal ganz ehrlich, die meisten verschreckt doch so ein derart peinlicher Untertitel. - Wir waren Helden
(OT: We were Soldiers)
Von der relativ sachlichen Aussage, die einfach nur die Tatsache beschreibt, nämlich das Soldat-sein, wird daraus eine Wertung zum Helden gemacht. Okay, dem Film wird eh eine patriotische und einseitige Heldenverehrung vorgeweorfen, von daher passt es. Aber der Titel ist am Originaltitel vorbei modifiziert. - Brügge sehen und sterben
(OT: In Bruges)
Okay, hier muss ich zugeben, find ich den deutschen Titel gar nicht mal so schlecht, obwohl er bis auf den Ortsnamen nichts mit dem Originaltitel gemeinsam hat. Er verrät vielleicht ein bisschen mehr von der Handlung als das Original, aber „Neapel sehen und sterben“ als Ausdruck für etwas Wunderschönes und die Tristesse, die der Hauptdarsteller in dem Ort sieht – nicht schlecht gewählt. - 8 Blickwinkel
(OT: Vantage Point)
Woher die 8 plötzlich kommt? Wenn man den Film gesehen hat, stellt man fest, dass es eigentlich hätte heissen müssen „8 Personen mit 6 Blickwinkeln“. Da hätte man der Einfachheit halber den Film doch einfach wörtlich übersetzt „Blickwinkel“ nennen können. - Eine Familie zum Knutschen
(OT: Flodder)
Sicher nicht die beste Filme, die Dick Maas produziert hat, aber so ein handlicher Titel, wie sie ja auch bis in die 80er gerne verwendet wurden, musste es doch nicht sein!?! - Eine Familie zum Knutschen in Manhattan
(OT: Flodder in America)
Amerika, Manhattan – ich verwechsel Duisburg-Duissern auch ständig mit Deutschland. - Flodder Forever – Eine Familie zum Knutschen
(OT: Flodder 3)
Den letzten Teil „Forever“ entbehrt einer gewissen Logik. - The Da Vinci Code – Sakrileg
(OT: The Da Vinci Code)
Bei Verfilmungen ist es immer so eine Sache, denn hier ist es schon sinnvoll, sich an der in Deutschland erschienenen Buchvorlage zu orientieren. Natürlich sind die Titel hier auf Deutsch häufig auch unmöglich gewählt, aber das wäre ein neuer Blogpost
Hier wurde eine Kombination aus englischem Original und deutschem Titel gewählt. - Illuminati – Angels & Demons
(OT: Angels & Demons)
Hier verstehe ich einfach nicht, wieso hier die Reihenfolge entgegengesetzt zum ersten Film gewählt wurde. - Die schrillen Vier auf Achse
(OT: [National Lampoon’s] Vacation)
Hier waren wohl die gleichen am Werk wie bei den Flodders. National Lampoon war übrigens ein amerikanisches Satiremagazin. - Hilfe, die Amis kommen
(OT: [National Lampoon’s] European Vacation)
Noch so ein Brüller-Titel, der am Original mehr als nur knapp vorbei geht. - Schöne Bescherung / Hilfe, es weihnachtet sehr
(OT: [National Lampoon’s] Christmas Vacation)
Offenbar sind einige Titel so schlecht, dass sich das Fernsehen gegen den Videotitel entscheidet … wenn auch nur mit mäßigem Erfolg. - Viva Las Vegas: Hoppla, wir kommen
(OT: [National Lampoon’s] Vegas Vacation)
Der letzte Film der Reihe und letzten Endes, der Filmtitel, der am nächsten am Original ist – aber danke des Untertitels hat man dann doch noch mal richtig ins Klo gegriffen. - Die unglaubliche Reise in einem verrückten Flugzeug
(OT: Airplane)
Hier erkennt man wieder richtig schön den Stil der 80er, wo sich ein Namensschöpfer offenbar wieder selbst verewigen wollte. Die Nähe zur Grundlage der Parodie, nämlich der „Airport“-Reihe, geht natürlich verloren. - Die unglaubliche Reise in einem verrückten Raumschiff
(OT: Airplane II: The Sequel)
Hier lag der deutsche Titel natürlich sehr nah, auch wenn natürlich wieder die Anspielung auf die Fortsetzungen der „Airport“-Reihe, mit ihren reisserischen Untertiteln verloren geht. - Meine Braut, ihr Vater und ich
(OT: Meet the Parents)
Da die Eltern der Hauptdarstellerin beide noch leben, wäre es doch einfacher gewesen, es bei den „Eltern“ zu belassen - Meine Frau, ihre Schwiegereltern und ich
(OT: Meet the Fockers)
Hier wollte man bei der Fortsetzung das Schema beibehalten und so muss man einmal kurz nachdenken, dass mit „ihre Schwiegereltern“ ja „meine Eltern“ gemeint sind. - 96 Hours
(OT: Taken)
Und wieder einer der englischen Fake-Titel; ich frage mich, wieso man den Liam-Neeson-Film denn nicht mit „96 Stunden“ in die Kinos gebracht hat.
Es gibt natürlich noch sooo viele Filmtitel mehr, die erwähnenswert sind, aber ich wollte den Blogpost nicht noch känger machen. Ansonsten, falls hier noch etwas dringend erwähnt werden müsste, gibt es ja die Kommentare.
Viele Western Klassiker wie “Once Upon a Time in the West” heisst auf deutsch “Spiel mit das Lied vom Tod” oder aus “The Good, the Bad and the Ugly” wurde “Zwei glorreiche Halunken”
teilweise sind die titel im deutschen auch voll reisserisch und in englisch normal. “nine to five” heisst zum beispiel “warum eigentlich bringen wird den chef nicht um?”
Da Fehlt mein persönliches Highlight:
The Outlaw Josey Wales…im deutschen bekannt als “Der Texaner”. *facepalm*
Zudemm ist Josey Wales gar kein Texaner sondern flieht dorthin…
Das ist nicht nur bei Filmtiteln so, sondern auch bei Episodentiteln von Serien. Bei der Serie Harper’s Island (lief auf Pro 7) haben die Titel der einzelnen Folgen Titel wie “Whap”, “Crackle”, “Ka-Blam”, “Bang” … also sehr lautmalerisch, wie in der früheren Batman-Serie. Die Titel sollen das Geräusch eine Mordes oder einer Szene der Episode beschreiben. Also “Bang” zum beispiel ein Knall von einer Pistole oder einer Explosion.
Im Deutschen wurde aus “Whap” “Einer nach dem anderen”, aus “Crackle” wurde Schnitzeljagd”, aus “Bang” “Junggesellenabschied” usw.
The Man who wasn`t there. Ist auch ein gutes Beispiel. Auf Deutsch heißt der Film: Der unauffällige Mr. Crane. Man tut den genialen Coenbrüdern schon wirklich unrecht mit dieser Übersetzung, vor allem auch deswegen weil der Titel : “Der Mann der nicht da war” schon völlig zutreffend für den Film ist.
Klasse Eintrag, danke dafür
Manchmal heißen Charaktere auch ganz anders nach der Übersetzung (oft bei Zeichentrickfilmen).
Bücher blieben davon auch nicht verschont:
http://de.wikipedia.org/wiki/Dean_Koontz
OT – Deu. Titel
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Lightning – Schutzengel
False Memory – Stimmen der Angst
By the Light of the Moon – Kalt
einfach nur dämlich…