Pit-Stop Probleme: Unnötige Reparaturen für intaktes Auto
Entweder den Mitarbeitern von PitStop fehlt die nötige Sachkenntnis oder man versucht unnötige Reparaturen für intakte Fahrzeugteile zu verkaufen.
Ob ich nicht meine fällige Hauptuntersuchung (TÜV/AU) bei Pit-Stop machen will, fragt mich ein Werbeschreiben. Das ganze soll auch nur 79 Euro kosten und schnell über die Bühne gehen. Doch dass es nur bei diesem Preis bleibt ist nicht sicher, denn wenn defekte Teile, die der TÜV bemängelt, ausgetauscht werden müssen, dann kostet es mehr – verständlich. Wenn Pit-Stop mir aber Teile (Bremsen, Windschutzscheibe, Reifen) austauschen möchte, die gar nicht defekt sind, dann ist jeder Euro zu viel.
Ich bin zu faul, meine Autoreifen zum Winter und zum Frühjahr selber zu wechseln. Ich lasse das seit einigen Jahren bei A.T.U. machen, weil nur ein paar Minuten von dem Keller entfernt sind, in dem ich die Reifen lagere. Da inzwischen auch ein Pit-Stop in der Nähe ist, sogar direkt um die Ecke, und den gleichen Preis nimmt, habe ich gedacht: versuch ich es mal. Ist ja nur das ab- und draufschrauben von Reifen, was kann es da schon für Probleme geben.
Die Wartezeit nutzte ich, um einen Freund abzuholen, der in der Nähe wohnte und der dann auch zu PitStop mitkam, um somit das Theater aus der ersten Reihe verfolgen zu können, das sich dann bot. Ein Mitarbeiter bat uns mit in den Werkraum zu kommen, wo mein Wagen stand …
Die PitStop-Diagnose
Mir wurde erklärt, dass
- die Bremsbeläge vorne müssen dringend ausgetauscht werden, am besten innerhalb von 1-2 Wochen, da alles andere ansonsten ein Sicherheitsrisiko wäre.
- für die Bremsscheiben vorne gälte das gleiche, durch die abgefahrenen Bremsbeläge sind die Scheiben zu stark in Mitleidenschaft gezogen worden.
- auf der Windschutzscheibe ist eine Kerbe im Gesichtsfeld des Fahrers. Das heißt zum einen, die Scheibe könne jederzeit komplett kaputt gehen und, der Position geschuldet, der Schaden könne nicht repariert werden, sondern die gesamte Scheibe muss ausgetauscht werden.
- die Reifen sind auch so langsam abgefahren und haben zu wenig Profil.
Dafür, dass mein Auto bislang eigentlich recht zuverlässig funktioniert hatte, und noch keine wirkliche Reparatur erforderlich war, war das erstmal ein Schlag. Aber der Mitarbeiter war sichtlich bemüht, mir entgegen zu kommen – so bemüht, wie man es nach einem Wochend-Seminar „Verkaufen“ nur sein kann:
Die PitStop-Verkaufsmasche
Aktuell haben wir ja die Bremsbeläge im Angebot für nur 79 Euro. Aber nur noch diese Woche, danach kostet es mehr, also entscheiden sie sich kurzfristig. Die Bremsscheiben würden leider etwas mehr Kosten mit 200 Euro. Und das Austauschen der Windschutzscheibe … Sie haben eine Selbstbeteiligung bei der Haftpflicht? … 150 Euro. Okay, dann packen wir noch eine Klimaanlagenwartung kostenlos drauf, die würde ja normalerweise auch 75 Euro kosten und dann bekommen Sie noch einen Gutschein über 75 Euro, dann haben Sie die Selbstbeteiligung auch wieder raus
Das hieße für mich aber erstmal 429 Euro ausgeben. Abzüglich des Gutscheins wären es immer noch 354 Euro (und die Klimaanlagenwartung ziehe ich jetzt nicht ab, weil ich die gar nicht wollte/brauchte). Und dabei mir schön Leistungen als Goodie anbieten (die ich gar nicht brauche) und zudem Zeitdruck aufbauen.
In dem Moment, wo die Summe sich durch meine Gehirnwindungen ihren Weg in mein Schmerzzentrum bahnte (Weihnachten stand vor der Tür, Kunden hatten noch nicht bezahlt, etc.) viel mir wieder ein: ich war doch schonmal bei Pit-Stop. Damals. Mit meinem ersten Auto, meinem Micra von 1992. Der erste TÜV-Termin … interessanterweise gab es da auch die Probleme mit den Bremsen.
Ich weiß nicht, ob wir den Eindruck gemacht hatten, als seien wir doof und naiv und würden sofort alles unterschreiben, was uns der Kfz-Fachmann erzählt, vor allem wenn er Begriffe wie „dringend“, „Sicherheitsrisiko“ und „Angebot“ verwendet. Ich hab nun wirklich kaum Ahnung von Autotechnik, aber zumindest ein bisschen Verstand wurde mir dann doch mitgegeben
Alternative: die Vertragswerkstatt
Am nächsten Morgen fuhr ich dann zu einer Toyota-Vertragswerkstatt, bei der ich bislang alle Inspektionen durchführen habe lassen. Dort ergab sich dann folgendes Bild:
- Die Bremsbeläge sind abgenutzt, was sie nach knapp 70.000 km auch sein dürfen und die Bremsscheiben sind auch nicht mehr die neuesten. Man schätzte die Restlaufzeit auf 4000–5000 km, bei vorausschauender Fahrweise auch ein bisschen mehr. Mehrere Tausend Kilometer?! Das ist bei PitStop also ein Sicherheitsrisikon, dass innerhalb von 1–2 Wochen ausgebessert werden muss!
- Die Windschutzscheibe hatte einen kleinen Abplatzer, der aber weder ein Problem, noch TÜV-relevant war.
- Die Reifen hatten für die aktuelle Saison auch noch ausreichend Profil.
Die Hauptuntersuchung
Inzwischen hat mein Auto auch die Hauptuntersuchung hinter sich, die DEKRA kam zu dem gleichen Ergebnis wie meine Vertragswerkstatt und das Ergebnis der HU und AU lautete: „Keine Beanstandungen“.
Dass ich inzwischen meine neue Plakette habe, das kann PitStop ja nicht wissen, aber ich bin mir recht sicher, dass ich dort nicht mit 79 Euro ausgekommen wäre. Ich habe mich aber trotzdem bei ihnen gemeldet, damit diese sämtliche meiner Daten gemäß BDSG löschen und auch zukünftig nicht speichern dürfen. Mal schauen, ob ich nochmal Reklame von denen bekomme …
Das Fazit
Ich weiß nicht, was bei Pit-Stop nicht funktioniert. Ich weiß nur, dass ich mich nicht auf die „Expertise“ von Pit-Stop verlassen habe und so über 400 Euro gespart habe.
Ich will nichts unterstellen, aber das, was in der Filiale in Altenessen passiert ist, kann ich mir nur mit zwei Szenarien erklären.
Entweder, die Mitarbeiter dort sind so schlecht ausgebildet, dass sie defekte Fahrzeugteile nicht von intakten unterscheiden können, dass sie einen kleinen Abplatzer an der Windschutzscheibe nicht von einem Steinschlag differenziern können, dass sie sicherheitsriskant abgefahrene Bremsen und – zwar benutzte – aber noch gewisse Zeit einsetzbare Bremsen nicht auseinander halten können.
Oder aber, das ist Masche. Durch günstige Angebote wie Autoreifenwechsel oder TÜV versucht man die Leute in den Laden zu bekommen. Und wenn das Auto einmal da ist, bekommt der Kunde mehr Probleme aufgetischt, als tatsächlich da sind. Und wenn die Mehrheit keine Ahnung davon hat und bei den Verschleissteilen davon ausgeht, dass das alles so stimmt, dann wäre das für PitStop sicher ein einträgliches Geschäft: Funktionierende Teile gegen funktionierende Teile austauschen.
Falls PitStop mir eine dritte Möglichkeit nennen kann, die die ganze Sache auflöst und zufriedenstellend erklärt, bin ich gerne bereit, diese hier auch zu veröffentlichen. Aber so lange bleibt ein fader Beigeschmack, denn beide oben genannten Szenarien sprechen nicht für das Unternehmen.
Aber bis dahin heißt es für mich nicht „Jo! Jo! Jo!“ sondern eher: No! No! No!

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